Statement No. 6 (20.05.2020)
Verlängerung der Mautbefreiung für Gas-LKW: Fortsetzung einer Erfolgsgeschichte für mehr Klimaschutz im Verkehr

Kommentar zum aktuellen Beschluss des Bundestages zur Verlängerung der Mautbefreiung für CNG/LNG-LKW

Der Deutsche Bundestag hat dem Beschluss der Koalitionsparteien im Verkehrsausschuss zur Verlängerung der Mautbefreiung für mit Gas betriebene LKW stattgegeben. Damit ist der Weg frei für noch mehr CNG-LKW, die beim Betrieb mit Biomethan aus Stroh, Gülle oder Abfall nahezu klimaneutral unterwegs sind. Allerdings steht noch die Zustimmung des Bundesrates aus, um dem Klimaschutz im Güterverkehr freie Fahrt zu gewähren.

Chapeau, Andi Scheuer! Ein Auslaufen der Mautbefreiung zum Jahresende hätte die gerade erst in Gang gekommene Umstellung der LKW-Flotten auf emissionsarme CNG/LNG-Antriebe ad absurdum geführt. Trotz klarer Umweltvorteile des Gasantriebs gegenüber dem Dieselbetrieb der LKW wurde die Entscheidung zur Zitterpartie. Im Vorfeld der Sitzung des Bundestages meldeten sich plötzlich aus verschiedenen Lagern wieder zahlreiche Stimmen lautstark gegen die Förderung der Gas-LKW zu Wort.

Wieder einmal wurde der Verbrenner per se verteufelt. Nur weil Autokonzerne wie Daimler weiterhin auf 40 Jahre alte „Dieselstinker“ setzen und den Zorn der Umweltschützer auf sich ziehen, ändert das nichts an der Tatsache, dass Verbrenner nicht über einen Kamm geschert werden können: Der Erdgasantrieb ist nachweislich emissionsärmer und klimaschonender. Doch wieder stand als einzig relevante Alternative der Elektroantrieb im Fokus.

In schon routinierter Weise wurde in den Diskussionen unter den Teppich gekehrt, dass CNG/LNG-LKW derzeit die einzige am Markt serienmäßig verfügbare Alternative zum Diesel-Antrieb für schwere Nutzfahrzeuge sind. Die Elektromobilität hat für den Güterfernverkehr auf absehbare Zeit weder beim Fahrzeugangebot noch bei der Ladeinfrastruktur eine praktikable und wirtschaftlich darstellbare Lösung parat. Für LKW, die im Nah- und Verteilverkehr eingesetzt werden, wird es zunehmend auch Elektrolösungen geben. Übrigens profitieren sie als emissionsarme LKW genauso von der Mautbefreiung, wenn sie mautpflichtige Straßen befahren.

Die Bundesregierung hat mit der Verlängerung der Mautbefreiung ganz klar den richtigen Fokus für eine wirksame CO2-Reduktion im Verkehr gesetzt. Zwei Drittel des Dieselverbrauchs entfallen in Deutschland auf den LKW-Güterverkehr. Es ist also viel effizienter, einen Anreiz zur Umstellung auf CO2-arme Antriebe und Kraftstoffe für einige tausend rational entscheidende Transportunternehmen zu schaffen, als Millionen emotional gesteuerte PKW-Fahrer zum Umdenken und Umsteigen zu bewegen.

Der Beweis, dass diese Rechnung aufgeht, ist längst erbracht. Bereits ein halbes Jahr nach Inkrafttreten der Mautbefreiung am 1. Januar 2019 wurden nach Angaben der Brancheninitiative „Zukunft ERDGAS e.V.“ 1.400 Diesel-LKW von den deutschen Speditionen ersetzt. Inzwischen sind es knapp 2.000. Auch wir bei VERBIO sind gerade dabei, unseren gesamten Fuhrpark mit knapp 100 schweren LKW schrittweise von Diesel- auf CNG-Antrieb umzustellen. Wir betreiben bereits elf CNG-LKW und haben beste Erfahrungen gemacht. Selbstverständlich werden diese CNG-LKW hauptsächlich mit Biomethan aus unseren eigenen Anlagen betankt und sind damit praktisch CO2-neutral unterwegs. Umweltfreundlicher kann man nicht LKW fahren!

Die Verlängerung der Mautbefreiung bis 2023 ist ein wichtiger Impuls, um die Investitionsbereitschaft der Spediteure in emissionsarme Antriebe zu forcieren. Die Einsparung der Mautgebühr beläuft sich für einen LKW im Güterfernverkehr mit einer durchschnittlichen Kilometerleistung von ca. 100.000 km/Jahr auf bis zu 18.000 EUR pro Jahr. Das trägt dazu bei, dass sich die höheren Anschaffungskosten eines Gas-LKW schnell amortisieren. Hinzukommen bis zu 90 Prozent CO2-Einsparung bei der Betankung mit reststoffbasiertem Biomethan gegenüber fossilem Erdgas. Ein erheblicher Vorteil für Speditionen, die im Auftrag ihrer Frachtkunden immer mehr CO2-Emissionen reduzieren müssen.

Ich prophezeie, dass bis Ende 2023 ca. 50 Prozent der LKW im Güterfernverkehr durch CNG/LNG-LKW ersetzt sein werden. Die Mautbefreiung bietet damit eine riesen Chance für eine schnelle Emissionsreduktion im Verkehr – immerhin sind in Deutschland insgesamt mehr als 3,2 Mio. LKW und ca. 200.000 Sattelzugmaschinen zugelassen.

Ich höre natürlich auch die Gegenargumente der Kritiker: Die GRÜNEN prangern in Teilen zu recht an, dass der Umweltvorteil eines Gas-LKW, der mit fossilem Erdgas betrieben wird, relativ gering ist und deshalb einen so großen finanziellen Vorteil am Markt nicht rechtfertigt. Diese Sichtweise vernachlässigt allerdings, dass sich die Gas-LKW mit 100 Prozent reststoffbasiertem Biomethan oder auch synthetischem, erneuerbarem Methan aus Power-to-Gas-Anlagen sowie jeder beliebigen Mischung aus Biomethan und fossilem Erdgas betanken lassen. Gleiches gilt übrigens für Busse und PKW.

Der Biomethananteil am CNG-Kraftstoff ist bereits deutlich gestiegen – er liegt inzwischen bei ca. 50 Prozent und wird weiter steigen. 2018 lag der Wert im Schnitt noch bei ungefähr 20 Prozent. Auch wenn sich die Werte nicht nur auf den Güterfernverkehr beziehen, wird eines klar: Der Klimavorsprung der CNG-Mobilität vergrößert sich eindeutig gegenüber anderen Antrieben. Elektrofahrzeuge, die mit dem aktuellen deutschen Strommix betankt werden, haben bisher nicht mehr als 40 Prozent Bioanteil vorzuweisen.

Auch die Zahlen im Bereich Schwerlastverkehr sprechen für sich: Nach Angaben von „Zukunft ERDGAS“ verzeichnen schwere LKW über 12 Tonnen den stärksten Zuwachs im CNG/LNG-Fahrzeugbestand mit plus 72 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Von den rund 13.600 erdgasbetriebenen LKW und Nutzfahrzeugen sind immer mehr mit umweltschonendem Biomethan auf unseren Straßen unterwegs. Ebenso hat sich im letzten Jahr die Anzahl der CNG-Tankstellen, die 100 Prozent Biokraftstoff anbieten, nahezu verdoppelt. Dieser Umweltvorteil kommt dann nicht nur dem Güterverkehr, sondern auch dem PKW-Verkehr zugute.

Die Potenziale für Biomethan aus Restoffen sind groß und längst nicht ausgeschöpft: Allein in Deutschland fällt jährlich so viel überschüssiges Stroh an, dass damit mindestens 200.000 CNG-LKW mit 100 Prozent klimaneutralem Biomethan versorgt werden können. Dazu kommen weitere Biomethanmengen, die aus anderen landwirtschaftlichen Reststoffen wie Gülle, Mist und Grünschnitt hergestellt werden.

Das sollte jene Kritiker zum Schweigen bringen, die behaupten, es gäbe nicht genügend Biomethan, um die LKW zu versorgen, denen die Mautbefreiung zugute kommt. Bisher war die Biomethanproduktion lediglich durch das klassische Henne-Ei-Problem gedrosselt: Es wurde nicht mehr produziert, weil gar nicht ausreichend Fahrzeuge da waren, um diese Mengen Biomethan als Kraftstoff zu verbrauchen. Andi Scheuer durchbricht nun dieses Dilemma mit den Förderprogrammen aus seinem Ministerium. Endlich!

Schon längst hätte die Bundesregierung mit einer stärkeren Förderung der CNG-Mobilität und der Möglichkeit zur Anrechnung des Biokraftstoffanteils auf die Flottengrenzwerte der Automobilhersteller die CO2-Emissionen um das mehr als sechsfache (25 Prozent) reduzieren können – und zwar ohne, dass der Sprit für Verbraucher und Speditionen durch zusätzliche Öko- und CO2-Steuern wesentlich teurer werden würde.

Werte Abgeordnete, die Mautbefreiung ist ein guter Anfang. Nun ist es ist an der Zeit für eine höhere Treibhausgasreduktionsquote (THG-Quote). Nicht nur der Stromsektor soll einen Beitrag zur Treibhausgasreduzierung leisten, sondern auch der Verkehr. Es ist ein Skandal, dass die deutsche Stromwirtschaft die Emissionen bereits um mehr als 30 Prozent reduziert hat, während der Verkehr nur einen lächerlichen Beitrag von 6 Prozent leisten soll. Bekennen Sie sich zu mehr Treibhausgaseinsparung im Verkehr mit Biomethan als Kraftstoff. Biomethan, sei es als Brückentechnologie oder langfristige Alternative zur E-Mobilität, liefert einen schnellen, effektiven und wirtschaftlichen Beitrag zur Minderung der Treibhausgasemissionen in Deutschland.

Ihr Claus Sauter
BioEnergie Experte und Gründer & Vorstandsvorsitzender (CEO) der VERBIO AG

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