Statement No. 8 (16.11.2020)
Biomethan ist mehr als eine Brückentechnologie: Förderung von BioCNG/BioLNG zur Dekarbonisierung des Güterverkehrs gehört in den langfristigen Maßnahmenkatalog des Bundesverkehrsministers

Kommentar zum Nutzfahrzeuggipfel am 11.11.2020 und dem veröffentlichten „Gesamtkonzept klimafreundliche Nutzfahrzeuge“ des Bundesverkehrsministers

Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer lud am 11. November 2020 die Industrie-, Logistik- und Infrastrukturbranche zum virtuellen Nutzfahrzeuggipfel. Zur schnellen Dekarbonisierung des Verkehrssektors sprach sich der Minister für einen Technologiemix der Antriebe aus. Ein kluges Konzept. Leider fehlen darin verbindliche Aussagen zum Beitrag und zur Förderung von BioCNG und BioLNG – eine wichtige verfügbare, günstige und langfristig tragbare Lösung zur Senkung der Emissionen im Güterverkehr.

Angesichts der verschärften Klimaziele der EU gerät die Bundesregierung unter massiven Druck. Um die geplanten 60 Prozent CO2-Reduktion bis 2030 zu erreichen, rückt der Verkehrssektor immer stärker ins Visier politischen Handelns. Der Erfolg der Verkehrswende hängt maßgeblich davon ab, ob es gelingen kann, die CO2-Emissionen im Güterverkehr zu reduzieren. Schließlich sind in Deutschland drei Millionen LKW zugelassen, die zwei Drittel des Dieselverbrauches ausmachen und damit den Großteil der CO2-Emissionen verursachen.

Der Bundesverkehrsminister geht in die Offensive und hat zum Nutzfahrzeuggipfel am 11. November 2020 ein langfristig ausgerichtetes „Gesamtkonzept klimafreundlicher Nutzfahrzeuge“ auf den virtuellen Tisch gelegt. Darin spricht er sich für einen Technologiemix der Antriebe aus. Nur wenn auf die vielfältigen Nutzungsszenarien der LKW eingegangen wird, kann seiner Meinung nach eine Nullemissionslogistik auf unseren Straßen gelingen. Eine gute Entscheidung. Andreas Scheuer kündigt an, den markthochlauf klimaschonender alternativer Antriebe zu fördern – er hat die Rufe der Speditions- und Logistikbranche nach Planbarkeit und Investitionssicherheit erhört.

Während Bundesumweltministerin Svenja Schulze alles auf die Stromkarte setzt und hartnäckig ignoriert, dass die Elektromobilität für den Güterfernverkehr auf absehbare Zeit weder beim Fahrzeugangebot noch bei der Ladeinfrastruktur eine praktikable und wirtschaftlich darstellbare Lösung parat hat, beweist Andi Scheuer mehr Realitätssinn. [1]

Die von Scheuer veranlassten Fördermechanismen für emissionsarme LKW, darunter auch CNG/LNG-LKW, gelten derzeit bis Ende 2023 und haben Speditionen und Hersteller zum schnellen Handeln bewegt. SCANIA, IVECO und VOLVO bringen moderne, saubere PS-starke CNG- und LNG-LKW auf den Markt, die mit Biomethan (BioCNG/BioLNG) aus Reststoffen betrieben werden können. Von den rund 13.600 erdgasbetriebenen LKW und Nutzfahrzeugen sind immer mehr mit fortschrittlichem Biomethan unterwegs. Der Anteil von Biomethan am CNG-Kraftstoff liegt inzwischen bei mehr als 50 Prozent. Der Ausbau der LNG-Infrastruktur geht parallel voran: Ende 2019 gab es in Deutschland noch weniger als zehn LNG-Tankstellen. Aktuell sind es knapp 30. Ich gehe davon aus, dass sich die Zahl bis Ende 2020 deutlich erhöhen wird. Die VERBIO AG plant, ab Sommer 2021 der größte europäische Anbieter von BioLNG zu sein. Dafür investieren wir aktuell in die notwendige Infrastruktur an unseren Standorten in Schwedt und Zörbig. Auch Shell hat die Herstellung von BioLNG für den deutschen Markt angekündigt.

Doch im Nutzfahrzeugkonzept geht Andreas Scheuer nun lediglich auf drei andere Antriebsformen näher ein: batterieelektrische LKW, Oberleitungs-LKW und Wasserstoff. Erst auf Nachfrage bekräftigt der Minister den Stellenwert des CNG/LNG-Antriebs und des klimafreundlichen Biomethankraftstoffs im Nutzfahrzeugbereich als Brückentechnologie. [2]

Aber das ist zu wenig vor dem Hintergrund, dass sich der Klimavorsprung der CNG/LNG-Mobilität gegenüber anderen Antrieben immer weiter vergrößert – auch in Bezug auf Elektrofahrzeuge. Jetzt fragen Sie sich vielleicht, wieso der Stromer nicht die Poleposition innehat. Die Antwort ist einfach: Werden Erdgas-LKW mit fortschrittlichen Biokraftstoffen – wie Biomethan aus Reststoffen und Stroh – betankt, ist das besser als Elektromobilität. Biomethan reduziert nicht nur die CO2-Emissionen gegenüber Diesel, sondern vermeidet auch die CO2-Emissionen auf den Feldern, die durch das verrottende Stroh entstehen. Damit schneidet Biomethan in der Gesamtbilanz deutlich besser ab als Ladestrom, der aus dem deutschen Strommix bereitgestellt wird.

Das Potenzial für Biomethan aus Restoffen ist groß und längst nicht ausgeschöpft: Allein in Deutschland fallen jährlich 20 Millionen Tonnen überschüssiges Stroh an, womit mindestens 200.000 LKW mit klimaneutralem BioCNG oder BioLNG versorgt werden können. Dazu kommen weitere Biomethanmengen, die aus anderen landwirtschaftlichen Reststoffen, wie Gülle, Mist und Grünschnitt, hergestellt werden können.

Damit der positive Biomethan-Trend nicht an Dynamik verliert und einen dauerhaften Beitrag zur Dekarbonisierung des Güterverkehrs leisten kann, muss das Langfrist-Konzept des Verkehrsministers um Fördermaßnahmen für den CNG/LNG-Antrieb und den entsprechenden Infrastrukturausbau ergänzt werden. Speditionen, Tankstellenbetreiber und Biomethanproduzenten brauchen Planungssicherheit für die nächsten zehn Jahre. Am Geld sollte es diesmal nicht scheitern:Die Bundesregierung will mit einem Milliardenprogramm klimafreundliche Nutzfahrzeuge fördern.

Ihr Claus Sauter
BioEnergie Experte und Gründer & Vorstandsvorsitzender (CEO) der VERBIO AG

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[1] siehe hierzu auch die aktuelle Ausgabe meiner #strohklug-Kolumne
[2] Quelle: www.bmvi.de/SharedDocs/DE/Video/Youtube/nutzfahrzeuggipfel-11-11-2020.html

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