Kolumne No. 11 (April 2020)
Deutschland braucht ein besseres Immunsystem

Die Corona-Krise lehrt uns: Deutschland braucht ein besseres Immunsystem. Mehr „Made in Germany“ statt Globalisierung um jeden Preis, damit wir aus der aktuellen Krise möglichst schnell wieder herausfinden und zukünftig besser gewappnet sind.

Kurzzeitige künstliche Beatmung reicht nicht aus. Das Konzept der Globalisierung ist gescheitert. Wir müssen unser Land neu denken, um neuerliche gesellschaftliche und ökonomische Schäden zu verhindern. 

Mit COVID-19 und der Corona-Pandemie erleben wir derzeit einen Albtraum – und keiner weckt mich. Der Albtraum wird zur bitteren, unausweichlichen und folgenschweren Realität.  

Ganze Horden von Ökonomen, Wissenschaftlern, Bankern und hochrangigen Politikern haben nach der Finanzkrise in Europa und den USA den Stresstest bei Banken und Kreditinstituten simuliert. Ein ähnliches weltweites Szenario sollte um jeden Preis verhindert werden. Und dann hebt ein „viraler Schnupfen“ die globalisierte Welt aus den Angeln und bringt sie zum Stillstand. 


Virologen, die seit Wochen von einer Talkshow zur anderen hetzen, haben die politische und mediale Führung übernommen. Mit Sicherheit sind das wissenschaftliche Koryphäen auf ihrem Gebiet. Ich bezweifle aber, dass die Mehrzahl von ihnen die ökonomischen Folgen ihrer Empfehlungen überblicken kann. Trotzdem raten sie aus tiefster Überzeugung der Politik zum wirtschaftlichen und sozialen Shutdown. Rien ne va plus. Nichts geht mehr.

Das alte Sprichwort „Das interessiert mich so sehr, wie wenn in China ein Sack Reis umfällt.“ gilt nicht mehr. Von China aus bahnte sich das Virus seinen Weg über alle Kontinente und hat die globale Welt in wenigen Wochen auf lange Sicht grundlegend verändert. 

COVID-19 ist mächtig geworden; so mächtig, dass von dem Virus eine Bedrohung ausgeht, die uns in eine neue Weltwirtschaftskrise stürzen wird – womöglich schlimmer als alle zuvor. Es liegt mir fern, Panik zu verbreiten, aber das Kopfzerbrechen und die Bedenken, die ich in diesen Tagen mit vielen anderen Unternehmern teile, sind groß. 

Um VERBIO mache ich mir dabei im Moment die geringsten Sorgen. Wir werden die Krise managen. Wir sind krisenerprobt. Wir haben ein innovatives und engagiertes Team, dem es in kürzester Zeit gelungen ist, einen Teil unserer Biokraftstoffproduktion auf die Herstellung von Desinfektionsmittel umzustellen. Doch nicht jedes deutsche Unternehmen trägt diese Flexibilität in seiner DNA.

Wir dürfen uns nichts vormachen: Wir werden in Deutschland, wie auch in anderen Ländern, eine beispiellose Pleitewelle erleben. Die kürzlich beschlossenen Nothilfen werden höchstens die unmittelbaren ökonomischen Folgen abfedern. Aber auf lange Sicht greifen sie nicht.

Das Geschäftsmodell Deutschlands ist die Globalisierung. Wir sind Exportweltmeister. Kaum ein Land profitiert mehr von der Globalisierung als wir. Wir haben globalisierte Wertschöpfungsketten aufgebaut und das System perfektioniert. Das heißt aber auch, dass der Shutdown in einem Land globale Kettenreaktionen auslöst und den weltweiten Stillstand zur Folge hat. 

Unser globales System ist gescheitert. Den Beweis dafür liefert die aktuelle Krise eindrucksvoll und beängstigend zugleich. COVID-19 zeigt uns, wie angreifbar und schwach wir aufgestellt sind.

Die Bundesregierung muss JETZT handeln und einen Plan ausarbeiten, wie wir den Ausstieg vom Ausstieg schaffen. Und zwar schnell. Ich möchte das Virus nicht verharmlosen, aber wir können nicht, wie von den Virologen vorgeschlagen, mehrere Monate oder sogar zwei Jahre im Standby-Modus bleiben. Die Gesundheit der Menschen und die Leistungsfähigkeit einer Volkswirtschaft stehen nicht im Gegensatz zueinander!

Die Bundesregierung muss mit der gleichen Energie, wie sie Menschenleben rettet, heute schon an morgen denken. Wir dürfen nicht die Augen vor den gewaltigen sozialen Spannungen verschließen, die infolge des Shutdowns auf uns zukommen werden. Wir dürfen nicht zulassen, dass Corona die gesellschaftliche und ökonomische Stabilität unseres Landes infiziert und nachhaltig schädigt.  

Nehmen wir das aktuelle Top-Thema Nummer 1 aus dem Bereich der Landwirtschaft, das uns ALLE betrifft: Die deutschen Landwirte bangen darum, die bevorstehende Ernte zu meistern – unter strengen Corona-Schutzauflagen und ohne die tausenden saisonalen Erntehelfer aus Osteuropa.

Wir haben vor Jahren die heimische Landwirtschaft dem deutschen Globalisierungsziel geopfert. Praktisch jedes Produkt, das unsere Bauern produzieren, wird irgendwo auf der Welt günstiger hergestellt und von Deutschland zum Spottpreis importiert. Gleichzeitig sind die gesellschaftlichen und politischen Ansprüche und Auflagen für deutsche Bauern höher als überall auf der Welt. Aber jetzt stößt das globale System an seine Grenzen. 

Sollte sich der Corona-Spuk noch Monate hinziehen, dann bleiben auch noch monatelang die Grenzen geschlossen. Dann werden wir froh sein über jede Tonne Kartoffeln, jede Tonne Getreide, jede Tonne Gemüse, die der deutsche Bauer im eigenen Land produziert. Es ist Zeit, der einheimischen Landwirtschaft gebührende Anerkennung und Respekt entgegenzubringen. Auch hier arbeiten Helden! 

In den nächsten Tagen, wenn die Temperaturen stabil über null Grad bleiben, dann heißt es für die Landwirte raus aus dem Haus, rauf auf den Traktor, aussäen. Und zwar trotz Corona, damit es im Sommer eine Ernte gibt und die Lager der Supermärkte befüllt werden können.

Homeoffice? Shutdown? UNDENKBAR in der Landwirtschaft. Das sieht jeder ein, denn er spürt unweigerlich seinen eigenen Magen knurren. 

Das Geschäftsmodell Deutschlands als Exportweltmeister mit globalen Wertschöpfungsketten ist gescheitert. Egal wie es jetzt kurzfristig weitergeht: Wir müssen unser Wirtschaftssystem neu denken! Was machen wir, wenn COVID-20 kommt? Oder COVID-21? Jede Meldung über einen neuen Virus irgendwo auf der Welt wird zukünftig die Rohstoffmärkte und Börsen zum Beben bringen. 

Heute sind wir gar nicht in der Lage, unsere Produktion ohne Unterstützung der globalen Wertschöpfungskette aufrechtzuerhalten. Um das zu ändern, müssen wir uns wieder mehr auf regionale Wertschöpfung und „Made in Germany“ fokussieren, auch wenn das auf den ersten Blick teurer sein wird. Wohin uns die chinesische Billigproduktion gebracht hat, sehen wir aktuell. Jedes Unternehmen würde ein System, das durch Schwachstellen regelmäßig den Stillstand der Anlagen, Produktionsausfälle, wirtschaftliche Verluste und unfreiwillige Arbeitsausfälle verursacht, umgehend austauschen!

Meine Forderung an die Politik: Weckt Deutschland rechtzeitig aus dem künstlichen Koma und zieht die richtigen Lehren aus der Krise. Beseitigt die Schwachstellen im System. Stärkt das Immunsystem der deutschen Wirtschaft für das langfristige Wohlergehen des Landes. Es muss wieder einen „Made in Germany“-Bonus in Deutschland geben. 

Ihr Claus Sauter
Gründer & Vorstandsvorsitzender VERBIO Vereinigte BioEnergieAG
und BioEnergie-Experte

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