Kolumne No. 5 (Nov. 2017)
Berlin: Avanti Dilettanti

1400 Dieselbusse verpesten täglich die Berliner Luft. Der Senat reagiert, aber das Konzept geht völlig vorbei an einer wirklich sauberen Lösung für den ÖPNV der Millionenstadt.

Das muss man sich einmal auf der Zunge zergehen lassen: Während die größte Stadtbusflotte im deutschsprachigen Raum täglich 1.400 Dieselbusse durch die Bundeshauptstadt schickt, diskutiert die Politik über Fahrverbote für private Diesel-PKW. Der Berliner Senat reagiert und will nun endlich mit der Erneuerung der teilweise 15 Jahre alten Busflotte beginnen. Dabei setzt er auf Elektromobilität, wie er Anfang September verlauten ließ. Und wie? Indem 30 Elektrobusse geordert werden. Das ist nichts anderes als ein ökologisches Feigenblatt zu einem stolzen Preis, mit dem sich Berlin ein sauberes Image verpassen will. Völlig vorbei an der Realität einer wirklich sauberen und bezahlbaren Lösung für den ÖPNV der Millionenstadt.

In vielen deutschen Großstädten werden immer wieder die festgelegten Grenzwerte für Feinstaub und Stickoxide überschritten. Die Verantwortung für die Güte der Stadtluft lässt sich dabei aber nicht allein den PKW-Fahrern zuschreiben. Blicken wir einmal auf das größte Stadtbusnetz im deutschsprachigen Raum: Berlin. Bei den 1.400 Dieselbussen der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) lässt das Baujahr in Zeiten von Dieselgate aufhorchen: Die ältesten Modelle stammen aus dem Jahr 2002. Der Investitionsstau der öffentlichen Hand verhinderte eine kontinuierliche Erneuerung. Im Ergebnis sind aktuell noch viel zu viele Fahrzeuge der EURO 3-Abgasnorm unterwegs und treiben die Stickoxidwerte in die Höhe.

Man konnte meinen, Rettung naht: Seit Dezember 2016 ist das Senatsressort Umwelt, Verkehr und Klimaschutz in grünen Händen und wird von Regine Günther, der ehemaligen Generaldirektorin für Politik und Klima bei der Umweltstiftung WWF, geführt. Und siehe da: Anfang 2017 stand in Berlin bereits ein Konzept, wie sich die Stadtbusflotte umweltfreundlich gestalten lässt. Der Lösungsansatz: die Umstellung auf CNG-Busse, da diese Fahrzeuge sofort und in Serienreife zur Verfügung stehen und auch ohne teure Abgasnachbehandlung die aktuelle Euro6-Agbasnorm mit stark reduzierten Stickoxidwerten erreichen. Ende Februar war man mit der Planung auf der Zielgeraden.

Danach versank das Thema in einer Art Sommerschlaf. Und dann auf einmal im September wirft Regine Günther alle Pläne über den Haufen und steigt um auf E-Mobilität, stürzt sich in den Strom eines der Wahlkampfthemen. „Elektromobilität ist die Zukunft und damit starten wir jetzt“, so Günther, und spricht dabei über die Anschaffung von 30 (!) Elektro-Bussen. Das ist ein Tropfen auf den heißen Stein! Was passiert mit den restlichen 1.370 Dieselbussen? Darüber herrscht Schweigen im Walde. Und keiner fragt mehr nach. Von der zweifelhaften Umweltbilanz der E-Busse ganz zu schweigen.

Zücken wir doch mal den Taschenrechner: Die Mehrkosten eines Elektrobusses gegenüber einem Dieselbus belaufen sich auf 600.000 EUR – das sind 18 Mio. EUR für 30 Mal Batterie statt Diesel. Ein CNG-Bus ruft Mehrkosten in Höhe von lediglich 30.000 EUR auf. Mit demselben Budget könnten also 600 CNG-Busse geordert und die Dieselflotte auf einen Schlag deutlich reduziert werden.

Dabei liegen eine Menge Vorteile klar auf der Hand: Die CNG-Technologie ist auch im Omnibus-Segment schon seit vielen Jahren serienreif. Die Fahrzeuge laufen zuverlässig, was man von der E-Bus-Technologie derzeit noch nicht behaupten kann. Ein entscheidender Punkt für den störungsfreien und pünktlichen Linienbetrieb im ÖPNV einer Millionenstadt.

Auch in Sachen Umweltbilanz liegt der CNG-Antrieb deutlich vorn: Trotz Verbrennungsmotor reduziert sich mit CNG als Kraftstoff der Feinstaub- und Stickoxid-Ausstoß um mehr als 90 % im Vergleich zum Dieselbetrieb. Wenn die CNG-Busse mit Biomethan aus Reststoffen, wie z. B. Stroh (verbiogas) betankt werden, erreichen Sie darüber hinaus bis zu 90 % CO2-Einsparung in der Umweltbilanz. Ein Wert, der beim E-Antrieb nur dann sichergestellt werden kann, wenn 100 % erneuerbarer Strom eingesetzt wird. Derzeit tragen aber nur ca. 30 % erneuerbare Quellen zum deutschen Strommix bei.

Dabei gibt es deutsche Städte, die bereits vormachen, wie es besser geht. Nehmen wir z. B. Augsburg: Hier fährt die gesamte Flotte von ca. 100 Stadtbussen seit fünf Jahren mit CNG-Antrieb und 100 % Biomethan von VERBIO – und ist damit nahezu CO2-neutral unterwegs. Eine bayrische Provinzstadt ist ökologisch fortschrittlicher und damit auch noch sparsamer als unsere Bundeshauptstadt! Die hat ja ihr Feigenblatt wahlkampfkonform gefunden und ignoriert getrost die Augsburger Erfolgsgeschichte.

Genauso wie meine mehrfache Gesprächsbitte an Regine Günther ignoriert wird. Dabei habe ich ein attraktives Angebot für die Berliner in petto: verbiogas aus 100 % Stroh zu attraktiveren Konditionen, als sie mit dem Standard-Dieselbus-Betrieb erreicht werden können. Achtung, Berlin: Reden hilft und zwar mit Fakten auf dem Tisch und mit ungeschminkten Worten!

„Weil wir Dich lieben“ – mit dieser Aussage wirbt die BVG und verpestet gleichzeitig tagtäglich vorsätzlich die Berliner Luft. Dieser unumstößlichen Tatsache müssen sowohl Senatorin Günther als auch Bürgermeister Müller endlich ins Auge sehen. Deshalb mein Aufruf zu einer wahren Liebeserklärung an die Stadt: Umsteigen auf CNG-Mobilität!

Claus Sauter
Gründer & Vorstandsvorsitzender VERBIO Vereinigte BioEnergieAG und BioEnergie-Experte

Kommentare (2)

  • Birgit Maria Wöber, Vorstand CNG-Club e. V.
    Birgit Maria Wöber, Vorstand CNG-Club e. V.
    am 03.11.2017
    Warum teuer, wenn es sauber und günstiger geht? Müsste der Slogan nicht besser heißen: „Weil wir dreckige Luft lieben und lieber dem sogenannten Mainstream nachhecheln“. Verantwortungsvolles, kostenbewusstes Handeln sieht anders aus. Sind die Berliner Kassen nicht leer? Schau doch mal rüber zu den Berliner Stadtreinigungsbetrieben, die haben verstanden. Aber eines ist sicher. Der nächste Winter steht vor der Tür und dann schau mer mal, gelle.
  • Cord Brockmann
    Cord Brockmann
    am 08.11.2017
    Hallo Herr Sauter
    ich habe Ihren Bericht verstanden, aber eine Bitte zum Gespräch mit der Senatorin nutzt m. E. gar nichts.
    Jetzt sollten Sie handeln. Sie schreiben einen Brief an den Senat mit den Nachweisen zur Einsparung im Haushalt mit der Bitte um Prüfung Ihres Vorschlages, natürlich mit Fristsetzung. Bei Nichteinhaltung drohen Sie Ihr Haushaltsvergehen an.
    Ein guter Verwaltungsanwalt sollte diesen Brief vorher rechtlich überprüfen. Ich glaube Sie hätten damit mehr Erfolg,
    denn gegen den Haushalt zu verstoßen tut auch politisch nicht gut.
    Mit erwartenden Grüßen Ihr Kleinaktionär

    Cord Brockmann

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